Verfasst von: nickwimmer | 31. Mai 2018

ROBERT MENASSE: „Man muss heute als Medienkonsument in EUROPA sehr viel guten Willen haben, um nicht . . .


. . . um nicht Anti-Europäer zu werden“, in einem Interview gestern in den Lübecker Nachrichten. „Die EU ist doch für die meisten ein großes Abstraktum, ich wollte zeigen:

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Brüssel, aufgenommen auf der Dachterrasse des WIELS. Photo: Nick Wimmer 23.02.2018

Das ist menschengemacht, und ich wollte den Menschen ein Gesicht geben. Unter anderem findet dort jetzt ein Generationswechsel statt. Jetzt kommen die Salamander, die ganz jungen Karrieristen. Aber selbst als solcher muss man etwas können und ein Auswahlverfahren bestehen. Es treten dafür jedes Jahr 30.000 Menschen aus ganz Europa zum Concours an – und 100 bekommen einen Job.“ Frage des Interviewers: „Und wo bleiben die Idealisten?“. ROBERT MENASSE: „Es gibt dort verblüffend viele.“ Frage des Interviewers: „Warum hat es vor Der Hauptstadt keinen Roman über die EU gegeben?“ ROBERT MENASSE: „Ja, das ist seltsam. In der Regel weist doch jeder Schriftsteller den Gedanken weit zurück, Nationalliteratur zu schreiben. Seit Goethe ist der Anspruch Weltliteratur. Alle großen Künstler und Literaten haben sich immer gegen die Dummheit und Ressentiments der Nationalisten gestemmt, waren international vernetzt und haben sich ausgetauscht. Als dann aber die nachnationale Entwicklung in Europa einsetzte, wuden selbst linke Kosmopoliten zu Nationalisten, unfreiwillig oder zumindest unbewusst – es hat sich herausgestellt, dass sie nichts anderes kennen und kennen wollen als das eigene Land. Sie wollen rechts ums Eck zum Italiener und links ums Eck zum Türken gehen, aber im Kopf kommen sie nicht einen Schritt weiter. Was sie über die EU wissen, wissen sie aus ihrer Zeitung – also aus einem nationalen Medium. . .Und dann kommen so faktenbefreite Essays zustande wie der von Enzensberger über die EU“.

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Brüssel. CHARLEMAGNE (Directorate-General for Trade) in der Rue de la Loi, ein Schauplatz in Menasses Roman. Photo: Nick Wimmer 23.02.2018

Auf die Frage des Interviewers: „Ihr Roman ist auch als Satire bezeichnet worden. Zu Recht?“ antwortet ROBERT MENASSE: „Nein. Da sieht man eben, dass auch kluge Rezensenten Probleme mit der deutschen Begrifflichkeit haben. Ich sehe im Tragikomischen eine Grundstruktur des Lebens. Das Komische im Tragikomischen zu isolieren und es Satire zu nennen, finde ich tragisch“.

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Brüssel. café kafka in der Rue des Poissonniers. Ein Schauplatz in Menasses Roman. Photo: Nick Wimmer 24.02.2018

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Brüssel. Place Sainte-Catherine.“. . .tatsächlich. Da unten war ein Schwein! Mitten in Brüssel, in Sainte-Catherine, es musste von der Rue de la Braie gekommen sein . . .“ Robert Menasse, Die Hauptstadt, S.9. Photo: Nick Wimmer 24.02.2018

Text des Interviews googlen Robert Menasse, Fast Schaum vor dem Mund 30.05.2018

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