Verfasst von: nickwimmer | 21. Juni 2017

„Das Theater sehnt sich nach erzählenden Theaterstücken, …“ schreibt Moritz Rinke* heute in der SZ , „sonst…


„. . . sonst würde es ja die alten nicht ständig aufführen ! Das Theater sehnt sich vermutlich sogar nach den „sechs Elementen“ des ARISTOTELES  – „Handlung und Dramatische Situationen“, „Charaktere“, „Rede“, „Gedanke“, „Schau und Szenerie“ und „Gesang und Musik“ – sonst würde es ja nicht aus lauter Verlegenheit ständig Filme oder Romane adaptieren oder sogar zum Dokumentartheater der Sechzigerjahre zurückkehren. U n d  d a s  T h e a t e r  s e h n t  s i c h  n a c h  Figuren ,nach Charakterenr! Denn wo sollten denn all die wundervollen Heerscharen an Schauspielern hin, die in diesem Land so zahlreich an Theatern engagiert sind, wie in keinem anderen Land der Welt? Sollten sie alle in die Live-Performance, in die Installation, ins Posttheater, alle entpersonalisiert und ihrer eigentlichen Gaben beraubt?…… Ich glaube hingegen, mit Verlaub, dass Menschen im Drama noch darstellbar sind. Und dass die Welt keinesfalls jener postdramatischen Prämisse entspricht, sondern im Gegenteil: Sie wird immer antagonistischer, radikaler, gespaltener, auch verrückter, irrsinniger. Wieso sollte das nicht erzählbar sein? Diese Welt entzieht sicht nicht der Welt des Dramas, nein, sie entspricht ihr!   Und genau deshalb wird es umgekehrt ein Postdramentheater auf lange Sicht kaum geben könnnen, denn solange  S c h a u s p i e l e r * i n n e n  auftreten, treten Menschen auf, Biografien, Künstler,  d e r e n  g r ö ß t e  G a b e  die Nachahmung des Erlebten und die Verwandlung ist . . . . Ein Theater ohne Autoren, ohne Stücke, ohne Geschichten und dramatische Situationen, das wird nicht nur irgendwann die Schauspieler verlieren, sondern ganz bestimmt auch die Zuschauer. Die sind nämlich keine „Postmenschen“, die Zuschauer kommen wirklich aus Fleisch und Blut an die Abendkasse“  U N D   wollen unbedingt noch einmal in der SCHAUBURG diese wunderbaren  Theaterproduktionen  sehen, abends um 19:30 Uhr :  LA STRADA  (Mi 21.)  FAHRENHEIT 451 (So 25.)  20.000 MEILEN UNTER DEN MEEREN (Di 27.)  DER AUFSATZ (Do 29.) und zum allerletzten Mal am Freitag 30. Juni 19:30 Uhr PEER BOYSENS  geniale, hinreißende Hommage an die beiden Schauburg-Theatermenschen DAGMAR SCHMIDT und GEORGE PODT  mit allen sechs Elementen des alten Aristoteles, mit diesen ganz wundervollen Schauspieler * innen Markus Campana, Nick-Robin Dietrich, Nicholas Reinke, Lucca Züchner und Regina Speiseder, mit den  zwei Tonkünstlern/Sounddesignern/Musikmagiern Greulix Schrank und Taison Heiß und mit dem Münchner Frauenchor

2_8.jpgRegina Speiseder (in der Rolle der Sybille van Achteren), Nicholas Reinke ( = Richter van Rotenboom), Markus Campana (= Erasmus Vanderdecken), Nick-Robin Dietrich (= Willem Vanderdecken) und Lucca Züchner (in der Rolle der Marlene Mühlheim)

1_5.jpgNick-Robin Dietrich, Nicholas Reinke, Markus Campana, Regina Speiseder, Lucca Züchner

Photos: George Podt

*Moritz Rinke , geboren 1967 in Worpswede, ist Schriftsteller und Dramatiker. Er leitet von der kommenden Spielzeit an das Autorenprogramm des BERLINER ENSEMBLES

TEXT: Süddeutsche Zeitung 21.Juni 2017, FEUILLETON S.9

 

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