Verfasst von: nickwimmer | 21. Oktober 2016

Jüterbog, Wittenberg, London, München


Magdalena Reinprecht aus Jüterborg, das junge Mädchen in Rudolf Herfurtners Roman MAGDALENA HIMMELSTÜRMERIN und Protagonistin der faszinierenden Theaterproduktion in der Schauburg  (Uraufführung: 15.Oktober 2016 ) lebt in einer Umbruchszeit vor ungefähr 500 Jahren. Da sie in der Region lebt, in der die Reformation ihren Anfang nahm, wird sie Augenzeugin des Wirkens von Martin Luther, dem Augustinermönch und Kirchenreformer. Der schlägt am 17.Oktober 1517 seine Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. 1523 schreibt Sir Thomas More in London, damals noch geschätzter katholischer Berater des englischen Königs Henry VIII, die staatsmännische und gleichzeitig rüde Kampfschrift  ‚Responsio ad Lutherum‘ , in der er diesen Umstürzler einer göttlichen Ordnung auf Erden als „an ape, a drunkard, a lousy little friar“ verächtlich zu machen versucht.“ Um 1595 tauchen in London fremdenfeindliche Flugblätter auf (‚Sieht die Welt etwa nicht, dass ihr Belgier, ihr bräsigen Biester oder eher trunksüchtigen Drohnen, und Ihr, Ihr feigherzigen Flamen, und Ihr, Ihr falschmünzerischen Franzosen, mit Eurer memmischen Flucht aus Euren eigenen Ländern diese Euren stolzen, feigen Feinden überliefert habt?…‘), der angestachelte Volkszorn richtet sich gegen die hugenottischen Flüchtlinge, die nach der mörderischen Bartholomäusnacht 1572 im katholischen Frankreich in einer großen Einwanderungswelle ins protestantische England, vor allem nach London, geflüchet waren, ebenso wie Flamen, die unter der Schreckensherrschaft des katholischen Herzogs Alba litten.“Zwischen 1595 und 1600 schreiben in London fünf Theaterautoren an einem Theaterprojekt ‚Sir Thomas More‘, einer davon heißt  William Shakespeare , der in einer handschriftlich überlieferten Szene (im ORBITER BLOG 15. März 2016 ‚William Shapespeare’s handwritten plea for refugees‘ –  berichtete ich über die Titelseiten-Nachricht des GUARDIAN) diesen Thomas Morus den aufständischen Bürgern ins Gewissen reden lässt. Und jetzt, auch im Oktober 2017 ist in München bei dtv dieses schmale, hochinteressante Bändchen veröffentlicht worden mit der Shakespeare Szene im englischen Original ( Sir Thomas More Scene 6  = Verlagstitel: Die Fremden), übersetzt und herausgegeben, mit einem spannenden Nachwort von dem großen Shakespeare-Übersetzer Frank Günther und eingeleitet mit einem eindringlichen Vorwort (‚Wenn wir Flüchtlinge wären‘) von Heribert Prantl:

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* zitiert aus Frank Günthers Nachwort im dtv Bändchen S.39

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