Verfasst von: nickwimmer | 31. Mai 2015

„Man darf sich nicht hinter Worthülsen wie ‚HUMBOLDT‘ oder ‚AKADEMISCHE FREIHEIT‘ verstecken, man muss sich…


…um Qualität kümmern, in der Forschung wie in der Lehre“, sagt Prof. Martin Paul, Präsident der niederländischen Universität Maastricht, in der ZEIT 28.Mai 2015, im Gespräch mit dem Journalisten Thomas Kerstan.  Die Überschrift „Warum eine niederländische Uni von deutschen Studenten  überrannt  wird* “ ist bescheuert, das Gespräch aber hochinteressant zwischen Kerstan, dem knisseligen Anwalt bildungsbürgerlicher Traditionalisten und dem neugierig-pragmatischen Administrator Paul, geboren 1958 im Saarland, klinischer Pharmakologe, bis 2008 Dekan der Charite´ in Berlin, seit 2011 Präsident der Uni Maastricht. Hier drei exemplarische Wortwechsel:

Thomas Kerstan, DIE ZEIT :  „In Deutschland stöhnen viele Professoren über Bologna, die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge.“   Martin Paul, Uni Maastricht: „In Deutschland hat man oft etwas gedankenlos eine neue Studienstruktur auf den alten Rhythmus von Vorlesungszeit und langen vorlesungsfreien Zeiten gepresst. Das haben wir hier komplett durchbrochen. Wir haben nur Studienjahre, die wir in Blöcke einteilen, in denen die Studenten, vor allem in Maastricht, relativ große Freiräume haben. Wenn es Verschulen ist, dass die Studienabläufe besser organisiert sind, dann sind wir verschult, aber nicht unakademisch……Thomas Kerstan, DIE ZEIT : „Employability: zu Deutsch Beschäftigungsfähigkeit, wird auch mit Bologna verbunden und von vielen in Deutschland entschieden abgelehnt. Das sei Ausbildung statt Bildung.“   Martin Paul, Uni Maastricht : „Ach Gott. Nur die wenigsten unserer Studenten bleiben doch als Forscher an der Uni. Wir müssen auch Fachkräfte für Wirtschaft und Verwaltung auf akademischem Niveau heranbilden. …Ich gehe auf die Barrikaden, wenn mir jemand sagt, das sei unakademisch! Wir machen hier ausgezeichnete Grundlagenforschung, wir haben große akademische Freiheiten – aber am Ende kriegen wir das Geld vom niederländischen Steuerzahler als öffentliche Einrichtung, und da müssen wir uns fragen lassen, was macht ihr denn für uns…..“ Thomas Kerstan, DIE ZEIT : „Welchen Rat geben Sie Ihren Kollegen in Deutschland?“  Martin Paul, Uni Maastricht : „….Man darf sich nicht hinter Worthülsen wie  ‚Humboldt‘ oder ‚akademische Freiheit‘  verstecken.  Man muss sich um Qualität kümmern, in der Forschung wie in der Lehre.“

*  von deutschen Studenten  ü b e r r a n n t (?) : an der Universität Maastricht studieren ca 15.500 StudentInnen, davon kommen 7.300 aus anderen Ländern, die Hälfte davon aus Deutschland.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: