Verfasst von: nickwimmer | 13. Dezember 2014

„…die Welt in weniger reduzierten Begriffen zu denken…“, ein Gespräch mit Okwui Enwezor, Direktor am HAUSD


IMG_20141212_0002 IMG_20141212_0004    Haus der Kunst und Wolkenflügel  PHOTOS: nickwimmer 02.11.2014

….E…..R KUNST, in einem eminent politisch-grundsätzlichen Gespräch* über diese Welt, über die Kraft der zeitgenössischen Kunst, über die Kunstwelten der Kunstschaffenden, über das daneben sich ausweitende Kunstsystem mit seinen dazugehörenden Industrien und über reaktionäre amerikanische Milliardäre, die eine schmutzige Politik finanzieren und jetzt mit Millionenspenden für Museen und Theater die Kultur benutzen, um die Schmutzigkeit ihres Tuns zu überdecken. Zwei kurze Passagen aus diesem packenden Gespräch. Über die Kraft zeitgenössischer Kunst sagt Enwezor: „Viele Ausstellungen entfernen sich immer weiter von den Turbulenzen, die derzeit die Welt erschüttern. Dabei hat die zeitgenössische Kunst die Kraft, zur Deutung dieser Welt beizutragen. Die konzeptuelle, ästhetische, politische, ethische und repräsentative Klarheit, uns ein Bild zurückzugeben. Ein Bild, das uns dazu zwingt, die Welt in weniger reduzierten Begriffen zu denken. So wie die reduzierte binäre Sicht auf Kunst und Politik. Damit unterstellt man, dass sich die eine Sache von der anderen unterscheidet. Ich möchte lieber deren enge Verflochtenheit miteinander sehen.“ Und was Okwui Enwezor über die eigenen kuratorischen Ziele in diesem Haus drüben am Englischen Garten sagt, kann man in einem Haus, diesseits des Englischen Garten, ganz ähnlich so aufregend vernehmen, dort am Elisabethplatz: „Als Kuratoren müssen wir uns eingestehen, dass wir nicht nur mit Sicherheiten operieren, sondern mit dem, was Paul de Man Blindheit und Einsicht nennt. Wir sind keine Propheten. Wir haben alle einen großen Vorrat an Unwissenheit im Gepäck, Unwissenheit gegenüber vielen Teilen der Welt und den verschiedenen Kunstwelten. Es kommt also auf die eigene Hingabe und das Interesse an, seine eigene Praxis zu hinterfragen und herauszufordern. Das ist es, was einen voranbringt und die Grenzen dessen, was man schon weiß, überwinden lässt.  Dann können wir unseren Gedankenraum ein wenig erweitern, um neue Ideen hereinzulassen, um Zugang zu neuen Ideen zu finden, um ein bisschen Unordnung in die Räume zu bringen, in denen wir es uns schon zu gemütlich gemacht haben.“

* Das ausführliche Gespräch mit Okwui Enwezor ist im Dezember-Heft 4/2014 der Zeitschrift „Einsichten und Perspektiven“ der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit am 05.12.2014 erschienen. Es ist online zu lesen:                                                                                                                                                           www. blz.bayern.de/blz/eup/04…/Einsichten_Perspek_04-2014_Web.pdf

Eine gekürzte Zusammenfassung ist in der SZ am 12.12.2014, Seite 2 in der Kolumne ‚AUSSENANSICHT‘ abgedruckt.

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