Verfasst von: nickwimmer | 18. November 2014

Vor fündundzwanzig Jahren, am 20. November 1989, wurde…


von der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York das „Übereinkommen über die Rechte des Kindes“ angenommen. Der deutsche Gesetzgeber hat diese UN-Kinderrechtskonvention zwar 1990 unterzeichnet, ratifiziert aber erst 1992 mit einem großen Vorbehalt: im Asyl- und Ausländerrecht sollte die Kinderrechtskonvention nicht gelten, den unbegleiteten Flüchtlingskindern sollten keine Rechte daraus erwachsen. In einem großen Essay heute auf der Titelseite des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung geißelt Heribert Prantl, Mitglied der SZ Chefredaktion, Jurist und Publizist, die Erklärung der Bundesrepublik 1990, dass die Kinderrechtskonvention in Deutschland keine unmittelbare Anwendung finden sollte, mit dem Wort „schandvoll“. Erst 2010 wurde diese Vorbehaltserklärung aufgehoben, aber im Asylrecht hat das immer noch keine Folgen. Prantl plädiert für „ein Kindergrundrecht im Grundgesetz in drei Sätzen. Als Leitsatz: ‚Der Staat schützt die Kinder.‘ Zweiter Satz: ‚Jedes Kind hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.‘ Dritter Satz:’Bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, gleichviel ob sie von öffentlichen oder privaten Einrichtungen der sozialen Fürsorge, Gerichten, Verwaltungsbehörden oder Gesetzgebungsorganen getroffen werden , ist das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig zu berücksichtigen ist.“ Und weil Heribert Prantl ein erfahrungskluger Menschenfreund ist, weiß er, dass „ein Kindergrundrecht kein Sofortprogramm und kein Schutzschild ist, aber es ist eine notwendige Selbstverpflichtung der Gesellschaft.“ Er wünscht sich, dass „mit dem Kindergrundrecht die großen Pädagogen Maria Montessori und Johann Heinrich Pestalozzi ins Grundgesetzt kämen“ und ist sich mit viel Empathie gleichzeitig bewusst, „dass viele Eltern heute immer und immer wieder ein kleineres oder größeres Scheitern in der eigenen erzieherischen Praxis erleben.“

Die Schlusszeilen seines großen Essays sind Heribert Prantls wunderbare Ermutigung, gelassen und reflektiert immer wieder zu versuchen, besser zu scheitern:  „Vielleicht kamen die Ansätze der anti-autoritären Erziehung zu sehr aus dem Nachdenken über die als falsch empfundenen Erziehungsmethoden der Eltern und zu wenig aus dem Mitfühlen mit Kindern; und vielleicht ist es heute, beim Ruf nach neuer Autorität in so vielen Erziehungsberatungsbüchern, wieder genauso. Es fehlt wohl oft die antiautoritäre Autorität des Herzens. Die kann man freilich auch mit der Kinderrechtskonvention und mit den Kinderrechten im Grundgesetz nicht herbeizaubern.“

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