Verfasst von: nickwimmer | 24. Juli 2014

„S T O L P E R S T E I N E – worum geht es?“ Diese Frage stellte am Dienstagabend…


… im Jüdischen Museum am Jakobsplatz der Schriftsteller und Journalist Gert Heidenreich vor zweihundert Zuhörern bei einer Veranstaltung der Initiative Stolpersteine für München. Und dieser eminent politische Mensch beantwortet die Frage mit einer so unerhört eindringlichen Genauigkeit des Denkens, das in diesem Augenblick eine ganz wesentliche Erkenntnis entstehen lässt:                                                                                                                         „…Im Prinzip geht es um die Wiederherstellung eines ADRESSENVERZEICHNISSES, das von der Nazigesellschaft gelöscht worden ist. Es geht um die INSTANDSETZUNG des Einwohnerregisters, und zwar nicht auf dem Katasteramt oder in der Meldebehörde, sondern in aller Öffentlichkeit. Namen und Adressen derer, die von der Barbarei aus unserer Bürgerschaft getilgt wurden und für alle Zeit unsichtbar bleiben sollten, werden durch einen Akt der Zivilisation wieder gegenwärtig.                                                                                                                Dies geschieht nicht durch Ämter oder Kirchen, nicht durch Glaubens- oder Überzeugungsgemeinschaften, sondern durch Bürger, die für Bürger tätig werden. Darum gehören diese Stolpersteine in die Bürgersteige.                                                                               Es geht um VERVOLLSTÄNDIGUNG der durch sich selbst beschädigten Stadt. Wo Heilung unmöglich ist, muss Wahrheit wenigstens sichtbar sein. Zugleich leisten die Stolpersteine noch etwas anderes: Jeder der Steine macht uns klar, wie verletzbar unsere Zivilisation ist und dass wir stets nur eine Sekunde von der Barbarei entfernt sind. Sie fordern auf zu Aufmerksamkeit, Entschiedenheit, wenn nötig: Mut.                                                                                                                 Ich bitte diejenigen, die seinerzeit glaubten, ein Verbot sei richtig, heute einen einfachen Satz zu denken oder zu äußern; einen Satz, der niemanden beschädigt und den, der ihn ausspricht, ehrt; dieser einfache Satz, um den ich Sie bitte, lautet: ‚Ich habe mich geirrt‘. 22.7.2014 MÜNCHEN“


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