Verfasst von: nickwimmer | 23. April 2014

„Seit zwanzig Jahren macht Gunter Demnig….


…an bis zu 280 Tagen im Jahr dasselbe.“…, schreibt der SZ-Journalist Thorsten Schmitz (*1966) auf der SEITE DREI der Süddeutschen Zeitung in der heutigen Mittwochausgabe in einem ganzseitigen Porträt,…“Parkt seinen Transporter, holt Hammer, Eimer, schnell härtendes Estrichbetonpulver und messingbeschlagene Betonquader heraus. Schnallt einen Knieschoner ans rechte Bein, kniet, löffelt Erde aus dem Bürgersteig, legt einen Stolperstein hinein oder auch mal 162 Stolpersteine. Fegt. Kehrt zum Auto zurück. Schaut auf den Tagesplan, tippt eine neue Adresse ins Navi.“
Geht es nur mir so, dass mich auf dieser SEITE DREI in der heutigen SZ bei diesem Gunter-Demnig-Porträt ein ganz merkwürdig befremdlicher Entlarvungsgestus des Journalisten Thorsten Schmitz irritiert? „Demnig verstaut Eimer, Schaufel, Fixbeton. Dann entschließt er sich, kurz zu reden. Es sind Sätze, die man kennt, wenn man ihn für ein paar Tage begleitet.“ ( „m a n“? Wer ist m a n ?) „Viele Menschen sind überrascht, wenn sie Demnig zum ersten Mal begegnen. Er entspricht nicht ihren Vorstellungen. Er ist mehr Handwerker als Holocaust-Aufarbeiter. Die berühmte Performerin Marina Abramovic hat gerade im SZ-Magazin gesagt:“Viele Künstler finden eines Tages heraus, was die Gesellschaft von ihnen erwartet, und dann beginnen sie sich zu wiederholen. Dann stirbt die Kunst.“
Jedenfalls hat Gunter Demnig noch nicht herausgefunden, was in München von ihm erwartet wird, denn in dieser Stadt dürfen Stolpersteine nicht verlegt werden im öffentlichen Raum. Noch nicht, jedenfalls.

Wenn jetzt diejenigen, die in München immer schon gegen die Verlegung von Stolpersteinen waren, in diesem Porträt lesen, dass der Künstler Gunter Demnig „ein Erinnerungsunternehmer geworden ist“, dann wissen sie jetzt, warum sie immer schon dagegen waren, dass einer mit einem raffinierten Geschäftsmodell die schöne Stadt verschandeln will. Jetzt erfahren sie es aus erster Hand von einem, dem es „auch nach mehreren Tagen unterwegs mit Gunter Demnig nur unter großer Kraftaufwendung gelingt, das Gespräch auf andere Themen zu lenken.Schnell versiegen seine Sätze, wenn er von sich erzählen soll“. Soll? Warum soll?
Ein bizarrer Text.

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Responses

  1. Thorsten Schmitz redet in seinem Artikel „Ausgebucht“ all jenen nach dem Munde, die bisher erfolgreich verhinderten, dass der Künstler Gunter Demnig seine Erinnerungssteine, die Stolprersteine, in München verlegte. Ausgerechnet in München, der „Stadt der Bewegung“ und der einzigen der deutschen Großstädte müssen – nicht nur jüdische – Angehörige von Opfern der Nationalsozialisten und engagierte Paten seit Jahren auf die Verlegung von Stolpersteinen warten. Erst wenn Christian Ude, der noch amtierende Bürgermeister den Stuhl an seinen Nachfolger abgeben muss, wird mit der Verlegung der Stolpersteine begonnen werden können, denn die Stimmen mehren sich, die fordern und versprechen, dass München endlich dem Vorbild anderer Städte folgen wird. Darüber hat Schmitz aber mit keinem Satz berichtet!
    Und er hat auch nicht – vermutlich ganz bewusst – die enorme Resonanz und den Erfolg dieses „größten dezentralen Denkmals Europas – eine soziale Skulptur“ (Demnig) erwähnt. Allein dafür hat Gunter Demnig schon zahlreiche Preise und Ehrungen erhalten, ganz zu schweigen von der Vielzahl der Menschen, die er durch sein Projekt zusammengeführt und zum Mitmachen angeregt hat, die ihn für seine Idee der Stolpersteine verehren und ihm zutiefst dankbar sind. Da gibt es diesen deutschen nichtjüdischen Künstler, der seine Landsleute mit seinem Projekt an die schlimmsten Jahre Deutscher Geschichte erinnern, aufrütteln will, und z.B. von einem jüdischen College in New York genau aus diesem Grund eine hohe Auszeichnung erhält. Und da gibt es einen missgünstig gestimmten einseitig informierenden Journalisten, der den Künstler und sein Projekt in seinem Artikel auf ausschnitthafte Beobachtungen aus seinem alltäglichen Leben und Aussagen, die z.T. sogar falsch und verzerrt formuliert sind, reduziert! Statt kleinkariert-bürokratisch den Lesern vorzurechnen und Gunter Demnig zu unterstellen wie gewinnbringend das Geschäft für ihn als „Erinnerungsunternehmer“ zu sein scheint, hätte er ihn besser mal fragen sollen, was von diesem Geld nach Abzug aller Unkosten für ihn persönlich eigentlich noch übrig bleibt.
    Als Gunter Demnig seine ersten Stolpersteine in Berlin Ende der 90er Jahre illegal verlegt hatte und zunächst nur 150 weitere folgen sollten, ahnte er noch nicht, welche Ausmaße sein Projekt einmal nehmen würde. Inzwischen werden er und seine 5 Mitarbeiter von so vielen Antragstellern bedrängt, dass er – um noch möglichst viele Wünsche erfüllen zu können – mit vollem Einsatz sein Leben diesem Projekt widmet und bereit ist, dafür Opfer zu bringen und sich auf bestimmte Bereiche seines Lebens zu beschränken. Dafür verdient er unseren vollen Respekt – und nicht diesen tendenziösen, teilweise diffamierenden Artikel, dem die SZ auch noch ein Forum bietet!


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