Verfasst von: nickwimmer | 12. Mai 2013

Vorgestern in Bayern – Abiturprüfung 2013 – DEUTSCH*****


„Der Prüfling hat eine Aufgabe seiner Wahl zu bearbeiten. Arbeitszeit: 270 Minuten“ ( Stolpere nur ich jedes Jahr wieder über den „Prüfling“ und „seine“ Wahl?)
Aufgabe I Lyrik
„Erschließen und interpretieren Sie das Gedicht „Der Unbekannte“ von Joseph von Eichendorff…. Legen Sie ausgehend vom Verhalten der Frau* im Gedicht und mit Blick auf eigene Erfahrungen abschließend dar, weshalb von der Begegnung mit Unbekanntem Faszination ausgehen kann“.
*(Erwartete Schülerleistung, nicht für den Prüfling bestimmt:
„…Inszenieren der jungen Frau und ihrer Beziehung zu dem Fremden
als ambivalent durch komplexen, z.T. elliptisch wirkenden Satzbau,
Antithese, kontrastierende Begrifflichkeit, Wortfelder ‚Sehen‘ und
‚Licht’…“)
Aufgabe II Drama
„Erschließen und interpretieren Sie den folgenden Ausschnitt aus Arthur Schnitzlers Drama „Das weite Land“! Arbeiten Sie dabei insbesondere heraus, wie Friedrich Hofreiter* sein Reisevorhaben rechtfertigt! Zeigen Sie …auf, wie die Entfremdung zwischen zwei Menschen in einem anderen literarischen Werk dargestellt wird“.
*(Erwartete Schülerleistung, nicht für den Prüfling bestimmt:
„…Intensität des Betroffenseins durch Klimax, z.T. in
Kombination mit Trikolon bzw. Asyndeton…“)
Aufgabe III Prosa
„Erschließen* und interpetieren Sie das vorliegende Ende des Romans „Leyla“ von Feridun Zaimoglu!…Zeigen Sie…auf, wie die Protagonistin eines anderen literarischen Werks den sich ihr stellenden Herausforderungen begegnet!“
*(Erwartete Schülerleistung, nicht für den Prüfling bestimmt:
„…Ermöglichen der Identifikation mit Leyla durch Gedankenrede,
durch häufigen, zum Teil unvermittelten Wechsel zwischen äußerem
und innerem Geschehen sowie durch Einblicke in ihre auf hohem
Sprachniveau geführte psychische Auseinandersetzung mit der
Situation…“)
Aufgabe IV Vergleichendes Analysieren von Sachtexten
„Analysieren Sie vergleichend die Texte A (= Ulrich Greiner, Macht Lesen glücklich?) und B (=Peter Spork, Unzufrieden? Sie sollten mehr lesen!)…Arbeiten Sie dabei heraus, welche Position die beiden Texte zu der Frage einnehmen, ob Lesen ’schöner Literatur‘ glücklich macht! Nehmen Sie anschließend* unter Heranziehung eigener Leseerfahrungen zu dieser Frage Stellung!“
*(Erwartete Schülerleistung, nicht für den Prüfling bestimmt:
„…Für die These, Lesen mache glücklich, können folgende Punkte
sprechen:Erfahrung des ‚Verschlingens‘ von Büchern bei sich selbst
oder bei anderen; Entlastung von Notwendigkeiten und Bedrängnissen
des Alltags; genussvolles Eintauchen in fiktive Welten bzw.
Vorfreude darauf…“)
Aufgabe V Die Phrase
„Sagen Sie jetzt nichts“
Rainer Marx in DIE WELT 25.08.2012

„Setzen Sie sich mit dem Text ‚Sagen Sie jetzt nichts‘ auseinander..
erörtern Sie, inwieweit sich die Verwendung von Phrasen positiv*
bzw. negativ auf Kommunikation auswirken kann!…“
Textprobe
„…Denn natürlich ist es so, dass in immer kürzerer Zeit immer mehr
gesagt werden will, weil sich alles immer schneller bewegt in alle möglichen Richtungen, die Dinge sich zunehmend rasant verändern… Bald meint man, die Zeit sei irgendein großes Gefäß, das ausschließlich dafür gemacht worden ist, um es mit Wörtern zu füllen. Die Phrase ist schon deshalb unverzichtbar, weil ständig Dinge passieren, die so undenkbar sind, dass uns erst einmal die
Worte fehlen….“
*(Erwartete Schülerleistung, nicht für den Prüfling bestimmt:
„..Rainer Marx stellt in seinem Essay fest, dass die Verwendung
von Phrasen einen wichtigen Beitrag zur zwischenmenschlichen
Verständigung leisten kann. Er sieht Phrasen in diesem
Zusammenhang auch als mögliche Voraussetzung und als manchmal
notwendigen Vorlauf für eine substanzielle Kommunikation…“)

Dschuldigung, aber diese Aufgabe, dieser Text und diese gymnasial erwartete Schülerleistung sind gedankenhohler Unsinn.

*****Von den fünf***** einen* = („very poor)
Gilt das Anklickverdikt „very poor“
a) dem Blogger?
b) dem Text des Bloggers?
c) dem DEUTSCH-Abitur 2013 in Bayern?
d) der Aufgabe V?
e) der Kommentierung der Aufgabe V?

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Responses

  1. Gut getroffen. Gerade das erste Thema (Lyrik) war eigentlich geschenkt… wenn man damit umgehen konnte. Letzteres war aber tatsächlich leidergottes absoluter Unsinn – aber mit den „freien Themen“ ist das eh immer so oder so eine Sache..


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