Verfasst von: nickwimmer | 10. September 2012

Wo Phantasielosigkeit phantasielose Verzweiflung gebiert


„Intendanten fordern Theater-Pflicht – Theaterbesuche sollen für jeden Schüler in Nordrhein-Westfalen Pflicht werden“ berichtet heute die SZ auf der Seite „Schule und Hochschule“ (S.32).
D a s darf doch nicht wahr sein. D a s aber fordern sechs Theater-Intendanten in NRW, verzweifelt über „eine unglaubliche Phantasie-
losigkeit der Bildungspolitik“. In Nordrhein-Westfalen besuchen
Deutschlehrer und ihre Abiturklassen vor allem Theaterstücke, „die für das Abitur relevant sind“. (Spezialität des Abiturrituals in diesem Landstrich: zentral vorgegebene Texte, zu denen zentrale Aufgabenstellungen den Prüflingen vorgelegt werden.Für das Deutsch-Abitur 2013 wird „Epochenumbruch 18./19.Jhd“ vorgegeben mit drei Dramen: Goethe, Iphigenie + Büchner, Woyzeck + Kleist, Prinz von Homburg)“Daher sei man gezwungen“, erklären die entnervten Theaterintendanten, „alle diese Stücke parallel zu inszenieren, um das junge Publikum zu binden. Leider sind die Lehrpläne wenig abwechslungsreich. Das ist eine unglaubliche Phantasielosigkeit der Bildungspolitik, die für das Theater sehr schade ist“.
Und jetzt gebiert diese Phantasielosigkeit diese phantasielos verzweifelte Forderung: „Wenn die Regierung Theaterbesuche zur Pflicht* macht, kann man Programme zusammen mit den Schulen freier gestalten„,sagte Michael Schmitz-Aufterbeck, Theaterleiter in Aachen und Sprecher der Intendanten.

Frage an Theater-Menschen:
Wie setzen Sie den folgenden Satzanfang fort:
„Wenn die Regierung Theaterbesuche zur Pflicht macht,………“
Dann?

* Frage eines verwunderten Blog-Lesers:
Wenn Deutschlehrer und ihre Klassen bisher vor allem Stücke besuchen, die für das Deutsch-Abitur relevant sind, warum soll dann regierungsamtlich verfügte Theaterpflicht diese Deutschlehrer und ihre Klassen in ihrer bildungsbürgerlichen Rückversicherungshaltung noch bestärken?
Antwort des Essener Intendanten Christian Tombeil:
„Es gibt Schulen, da gibt es kein kulturaffines Rektorat, keinen theaterinteressierten Lehrer – dann ist diese Schule für das Theater verloren“.
Was es alles nicht gibt!

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