Verfasst von: nickwimmer | 17. Januar 2012

Petros Markaris im Literaturhaus München am Di 24.Jan.2012, 20:00 Uhr


Petros Markaris (*1937 in Istanbul) kommt aus Athen nach München ins Literaturhaus  und liest am Di 24.Jan.2012 um 20:00 Uhr aus seinem neuen Kostas Charitos Roman „Fällige Kredite“ ( so der griechische Orginaltitel auf Deutsch, der Diogenes-Verlag macht seine deutschen Leser auf „Faule Kredite“ neugierig, na ja). Petros Markaris ist nicht nur ein großartiger Autor, sondern auch ein durch und durch politischer Zeitgenosse, der mit menschenfreundlicher Empathie einen unbestechlich genauen Blick auf die Verhältnisse in seinem Land, in Europa, jetzt, wirft.

Eine Leseprobe aus Petros Markaris‘  neuen Roman „Fällige Kredite“ . Kommissar Kostas Charitos ist im Streifenwagen in Athen unterwegs mit seinem Assistenten Vlassopoulos bei ihren Ermittlungen im Mordfall des Bankers Sissimopoulos. Ein BMW-Cabrio-Fahrer vor ihnen reagiert auf ihre Sirene nicht:                                                                                                                             ..….“Uns werden Gehälter, Zulagen und Renten zusammengestrichen, und der kutschiert seelenruhig mit BMW Cabrio und Schlauchboot durch die Gegend“, philosophiert Vlassopoulos.   „Die glauben, die Kontrolleure der Troika könnten ihnen nichts anhaben und würden bald unverrichteter Dinge wieder abziehen.“     „Ach was, die werden wir nicht mehr los“, antwortet er so bestimmt, als stünde er in ständigem Kontakt mit der sogenannten Troika, dem Dreigespann, bestehend aus Europäischer Kommission, EZB und IWF.  „Warum bist du dir da so sicher?“  „Weil sie uns jetzt zum dritten Mal an die Leine legen, Herr Kommissar. Diesmal aber endgültig. Sehen Sie mal, unser erstes Staatsoberhaupt war Graf Kapodistrias. Da haben sich die Griechen gesagt: Was will dieser Schnösel denn hier? Und bringen ihn einfach um. Dann kam die Bayernherrschaft. Da haben die Griechen gesagt: Was wollen diese dahergelaufenen deutschen Adeligen hier? Und jagen sie einfach fort. Jetzt hat man uns die Troika vor die Nase gesetzt: einen Dänen, einen Belgier und einen Deutschen. Wieder sagen die Griechen: Was wollen diese Besserwisser denn hier? Nur, dass die ganz bestimmt nicht abziehen, weil sie uns endgültig an die Leine legen. Jetzt haben sie uns am Schlafittchen. Verstehen Sie?“             Das leuchtet mir ein. Es klingt zwar wenig erfreulich, ist aber vielleicht gerade deshalb heilsam. In den letzten Jahren wurde nur noch mit schönen Worten auf Sand gebaut. Die Zeit scheint gekommen, sich nach soliderem Boden umzusehen, damit wieder etwas wachsen und gedeihen kann.                                                                                                                                                                                              Zunächst machen wir in Koropi beim Maklerbüro von Jannis Mertikas Station, auf das ich bei den Ermittlungen zum Sissimopoulos-Mord gestoßen war………“  (S. 242 – 243)

Photo: nickwimmer  ‚auch in Griechenland, Kyparissia 1981‘


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