Verfasst von: Burgfräulein | 17. November 2011

Ein stürmischer Abend


Es ist schon eine Weile her, ich gebs ja zu. Aber vielleicht ist jetzt, wo sich wieder Wolken über der Schauburg dunkel zusammenziehen und der Wind ein bisschen kälter und schärfer um die Ecke weht als sonst, jetzt, wo morgen wieder Shakespeares STURM über die heimische Bühne toben wird, der richtige Moment gekommen, um einmal Resümee zu ziehen.

Das Resümee eines Abends, den dreieinhalb Dramaturgie-Studierende Anfang 20 in der Kellerbar der SchauBurg verbrachten, nachdem zweieinhalb von ihnen der Premiere des STURMs beigewohnt hatten. Wer sich jetzt wundert, woher denn der halbe Dramaturgiestudent kommen mag, der übrigens auch die einzige männliche Komponente dieses Kreises darstelle, genüge folgender Hinweis: Er war müde und lame und wollte dauernd eine Rauchen und musste dann noch wohin und morgen ganz früh raus und sowieso hat er kein Geld jetzt hier abzuchillen, das alte Lied. Deswegen, so leid es mir tut, nur ein halber.

Konzentrieren wir uns also auf die drei Damen:

  • Da haben wir Friederike, goldblond und Regiehospitantin dieser Produktion. Sie trinkt einen Weißwein. Nichtraucherin.
  • Daneben sitzt Jessica, hellblond und Friederikes Kommilitonin. Sie trinkt einen Milchkaffe. Kettenraucherin.
  • Und natürlich die Autorin dieses Textes, von einem so dunklen Blond dass man es eigentlich Braun nennen möchte und ebenfalls Mitstudentin der beiden vorhergehenden. Sie trinkt einen Spritz (man ist schließlich gebürtige Münchnerin haha). Gelegenheitsraucherin.
Friederike, vom Winde verweht

Friederike, vom Winde verweht und Regiehospitantin beim STURM.

Um das nun folgende Gelehrtengespräch zu dokumentieren, wählten wir eine progressive Interviewmethode: Jessica und ich gaben mehr oder weniger abwechselnd einen Satzanfang auf knitterigem Karo-Umweltpapier vor (fettgedruckt), den Friederike dann fachgerecht als Expertin für die Produktion vervollständigte (kursiv). Das informative Ergebnis finden Sie hier:

Ich bin eine Zitrone  (ähm… „Zitrone“, Jessica, „Zitrone“!? Ernsthaft!?) Jungfrau, ich bin Miranda.

Bei den Proben gab es Sturm, als wir die Windmaschine ausprobiert haben. Und als Marcus die Witzekrone mal wieder an Fine verlor.  -> Die Rede ist von Marcus Campana und Josefine Ehlert, beide Darsteller beim Sturm und humorbegabt.

Wenn uns das Wasser bis zum Hals steht, ziehen wir Wurzeln. -> Eine spezielle, geheimzuhaltende Regiemethode des Schweizers Beat Fäh!

Der Schiffskapitän wollte unbedingt in Afrika bleiben.

Wenn Beat Segel setzt, dann heißt es: In 15 Sekunden geht’s los!

Unser Lieblinsmatrosensong war: „Keiner mochte die Sue“  

Hier folgte ein eher fragwürdiger Versuch der Friederike, den Matrosensong matrosenmäßig vorzutragen… ein Glück, dass wir zu so einer altmodischen, nicht-auditiven Interviewmethode gegriffen haben.

Shakespeare wusste, wie die Welt funktioniert und dass die Menschen scheiße sind.

Shakespeares Miranda und die Miranda aus „Sex And The City“ könnten Schwestern sein, weil Schwestern sich auch mal hassen!

Alle Sünden werden vergeben, weil Ariel jammert.

Menschen in den Late Teens werden den STURM lieben, wenn (es folgt eine verdächtig lange Pause) sie sich morgens mit Daddy gestritten haben.

Puck darf in diesem Stück nicht mitspielen, weil es Herbst/Winter ist.

Aus der dramatis personae würde ich mir Trinculo aussuchen, um mit ihm einen einwöchigen stormwatching-Urlaub in Idaho zu machen.

Die Trapeznummer ist gelungen, weil der Hut nicht fällt!

Mich selber berührt der Sturm total, weil mein Herzblatt auch an Land gespült worden ist. Meint sie das ernst? Kann man sich schon vorstellen, bei der Frisur. Oh Mann, Friederike.

Im Auge des Sturms lauert der tollste Wahn: Caliban!

Auf der Insel lässt es sich gut leben, weil es immer Eis gibt 🙂

Von Caliban möchte ich gerne lernen: Den Hüftschwung!

Man sollte den Sturm auch mal gelesen haben, weil Shakespeare der Zweitgrößte ist (nach den alten Griechen).

Aha! Die Alten Griechen waren die Größten, weil man danach eigentlich nichts mehr schreiben muss.

Prospero wäre im Ernstfall ziemlich frustriert, weil man nicht mit einem Mantel zaubern kann.

Die prospere Runde wird unterbrochen von der Ankunft eines Schweizers. Oliver Bürgin, Schauspieler und ja, man kennt ihn aus dem Kinofilm „Shoppen“, tritt an uns heran und regt die Gruppe dazu an, doch einmal ein paar Alliterationen zu „Fisch“ zu finden. Wer wissen will, wozu er sie braucht, sollte sich die Inszenierung ansehen…

Zu „Fisch“ fallen mir viele Alliterationen ein, nämlich: Faun, Frosch, Fuchs, Fleisch, Vogel, Vieh, Volltrottel, Ferd, Fohlen, Fliege, Phallus, Fegetarier, Faultier, Falter, Flusspferd, Frettchen, Fink, Fuku, Fuchur, Falke, Ferkel, Vierbeiner, Vielfüßler, Vielfraß

Ok, danke Olli, können die Erwachsenen jetzt mit den ernsten Themen weitermachen? Leider wurde dieses Unternehmen von einer ausführlichen Bestellung bewusstseinsveränderner Getränke vereitelt, was die Fragwürdigkeit der nächsten Passage erklärt.

Den Alkoholkonsum in der SchauBurg kennt eigentlich nur Hugo genau. Wer herausfinden will, wer Hugo ist sollte sich in die Kellerbar bewegen… lohnt sich! 🙂

Die SchauBURG und das BURGtheater (es folgt ein kurzer, aber erbitterter Catfight um den Stift den Jessica schließlich für sich entscheiden kann, um folgende aufschlussreiche Antwort zu geben:) werden von mir liebevoll Burgi genannt!

Ariel wurde doppelt besetzt, um zu vermeiden, dass er nur wie ein langweiliger Mensch wirkt. 

Der Biertischkreisel sollte dringend mal mit Getränken und dem Rennsteiglied eingeweiht werden.

Ok, die Autorin dieses Textes distanziert sich ausdrücklich von dieser absolut ärgerlichen Frage, die die zwei Damen vom Land zu verantworten haben. Friederike, aus einem kleinen Dorf im tiefsten Thüringen fängt nun hingebungsvoll an, das Rennsteiglied zu rezitieren – Jessica, aus einem kleinen Dorf im tiefsten immerhin Oberbayern, steigt trachtenvereinsprofessionell ein. Ich sitze da, versuche, meine kosmopolitische Würde nicht zu verlieren und mache offenbar (wie ich gerade feststelle) eine Randnotiz auf den Zettel, die besagt „Alle drei miteinander rummachen! (Nur im Notfall)“ – offensichtlich hatte ich den Eindruck, das könnte das Publikum mehr interessieren als das Rennsteiglied. Doch der stürmische Teil des Abends sollte noch kommen.

Um 23:51 Uhr ruft Jessica das erste Mal eine „Sexy Time“ aus, indem sie eine Lichtdimmung in der Kellerbar und den Wechsel zu etwas smootherer Musik zum Anlass nimmt ihre Strumpfhose in interessanten Dehnübungen nachzuziehen, die oberhalb des Tisches, an dem wir sitzen, stattfinden. Schnell zurück zum „Interview“, Friederike, ja und noch einen Weißwein, oder?

Aus dramaturgischer Perspektive fehlt dem Stück im 5. Akt viel Text von Antonie.

Markus Camapana ist vooollll jetzt will sie, dass ich hier süß hinschreibe, oder? ODER!?

Nach den Proben habe ich mich entschieden-

„FLAMINGOS! FASAN!“ ruft Jessica auf einmal begeistert. Ihre ersten, wenn auch verspäteten Beiträge zu Ollis Alliterationkette. Aber danke, Jessica danke!

Nach den Proben habe ich mich entschieden meine Bude umzudekorieren. Maritim, zum Beispiel.

Hat sie nicht. Nebenbei gesagt.

Jungs+Pubertät+Shakespeare= Taschenmesser!

Fritzi kann meine Schrift im Gegensatz zu Jessica lesen, weil sie mehr mit dem Herzen als mit den Augen sieht.

Die Gemeinsamkeit zwischen Peter Wolter und Mel Gibson sind die grauen Haare.

Ein erneuter, sehr verbitterter Catfight bricht aus, Jessica und Fritzi prügeln sich darum, ob Mel Gibson jetzt graue Haare hat, oder nicht. Und wer denkt an den armen Peter? Außerdem is Mel Gibson end der Hollywood-Typ. „C’mon is Kultur!“ lautete Jessicas Kommentar dazu, die nach eigener Aussage auch mehr so der Kinotyp ist und schon wieder eine Sexy Time erzeugt, denn bei dem Catfight ist ihre Strumpfhose verrutscht.

Kultur ist unverzichtbar.

Man darf den Sturm nicht frühzeitig verlassen. Mögen. Oder nicht mögen. Auch zweimal schauen.

Dagmar Schmidt hat unter weißer Haube genaue Vorstellungen.

Auf einmal schreit Friederike auf. Dieses Interview ist scheiße und wir sind nicht mal betrunken. Ich hätte so viel Würde haben können, immerhin war ich die Regiehospitantin! Okay Friederike, okay. Ich gebe dir deine Würde zurück. Vervollständige diesen Satz so würdevoll du kannst:

Der STURM mahnt die Autonomie der Kunst, indem Diskurs und Wahrheit emergent aus der Focaultschen Auseinandersetzung mit und vor allem durch die reziproke Symbolhaftigkeit der oszillierenden Pole Dichtung und Wahn fruchtbar konvulsieren.

Na, also geht doch. Is doch wieder alles gut! Immerhin studiert man ja Dramaturgie.

Ein Mann mit einem kleinen Rucksack wandert an uns vorbei. Es ist der Schweizer Oliver Bürgin. Der wandert jetzt nach Hause, der Schweizer. Berg heil! Auch für uns wird es langsam Zeit…

Die SchauBurg find ich spitze, weil sie auf Umweltpapier drucken.

Wir einigen uns auf ein Prost auf die Natur. Der blaue Engel zählt. Inzwischen wird das Licht noch weiter gedimmt und ein Blues wabert durch die schon halbleere Bar. Zeit zu gehen.

Braucht noch jemand ein Fazit?

Also. So uninformativ dieses Interview gewesen sein mag- Wir hatten einen wunderbaren Abend. Also Freunde, es lohnt sich. Den Sturm anzuschauen. Und danach mal ein paar Runden in der Kellerbar rumzusitzen, mit Wein, Kaffee und Spritz.

Heute Abend habt ihr wieder die Chance dazu! -> http://www.schauburg.net/index.php

Und es gibt demnächst auch einen gaaanz ernsten Artikel zum STURM, das ist schließlich SHAKESPEARE. Versprochen 😉


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Responses

  1. Ach liebes Burgfräulein, wieder mal ein wunderbarer Text!!!Bin ganz hingerissen!!!

  2. Haha danke 🙂

  3. Man wäre gerne mit euch bei Hugo verhockt!
    Und müsste unbedingt den STURM erlebt haben!

  4. Keine Sorge…1. beim Hugo kann man fast jederzeit schön verhocken/versacken/versumpfen und 2. spätestens ab 8. Dezember hat man wieder Chancen auf den STURM, oder Ende Jänner!! liebe grüße!!!


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