Verfasst von: nickwimmer | 20. September 2011

Wenn sich ein deutscher Wut-Bourgeois nach einem Saint-Just sehnt


„….Deutschland dem Abgrund entgegen. Nur das Kollabieren des Eurosystems zu einem sehr frühen Zeitpunkt wird es ermöglichen, existenzielle Schäden von Deutschland abzuwenden. Aber auch dies wird nur möglich sein, wenn die Bürger dieses Landes die politische Klasse als ihren eigentlichen Gegner entdecken werden. Genauso wie es notwendig sein wird, die Karlsruher Oligarchen in der Richterrobe als das zu charakterisieren, was sie seit dem Eurorettungsurteil geworden sind: Regierungskollaborateure“, schreibt sich ein Professor aus Berlin in Rage, Dr. Markus C. Kerber, Professor an der TU Berlin, Fakultät VIII, Wirtschaft und Management, Institut für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht. Und wenn ein deutscher Wut-Bourgeois vor dem Europa-Abgrund schaudert, überkommt ihn  d e u t s c h e s   S e h n e n :

„Die Deutschen sehnen sich nach einer Regierung, die diesen Namen verdient. Sie stehen deshalb vor einem großen Aufbruch, weil sie sich zu Recht nicht nur von der Regierung, sondern von der gesamten politischen Klasse verraten fühlen….Schneller als vermutet ist diese Erkenntnis bei einem Großteil der Bevölkerung gewachsen. Ohne den politischen Raum neu zu gestalten, wird dies nur so zu ändern sein können, das Parteiregime … aus der politischen Führung des Landes zu vertreiben…..Der Widerstand muss aus dem Urgrund einer bürgerlichen Revolte entstehen gegen ein politisches System, dessen Regierung ein Volk nicht einmal davor verteidigt, seine fiskalische Selbstbestimmung zu verlieren. Die Geschichte sucht also nach einer Gestalt wie  Saint-Just, der seine politische Karriere mit den Worten krönte: „Ich gehöre keiner Partei an, ich bekämpfe sie alle.“ Vielleicht ist dieser Moment des überspringenden Funkens bürgerlicher Revolte gar nicht so fern. Dann steht vielleicht   e i n   S a i n t – J u s t  neuer Prägung auf, um den Deutschen zuzurufen: Der Kampf der Bürger wird der Sieg des Rechtes sein.“

Louis Antoine Leon de Saint-Just, auf die Welt gekommen 1767, im Alter von 27 Jahren am 28.Juli 1794, am selben Tag wie Maximilien Francois-Isidore de Robespierre, guillotiniert worden. (Guillotine = Hinrichtungsgerät, durch das mittels eines schnell herabfallenden Beils der Kopf vom Rumpf getrennt wird). Als Vertrauter Robespierres hatte er dessen Terrorherrschaft gestützt.

Der Professor aus Berlin sollte mal wieder ins Theater gehen, Georg Büchners  „Dantons Tod“  anschauen und dann in der 6. Szene im III.Akt genau hinhören, diese Szene im Wohlfahrtsausschuß mit Saint-Just, Barriere, Collot d’Herbois und Billaud-Varennes:

Saint-Just:  „Eben erhalte ich eine Denunciation…Danton’s und Camille’s Weiber sollen Geld unter das Volk werfen….“

Barrere:  „Das sind Mährchen.“

Saint-Just: „Wir werden sie aber mit dem Mährchen in Schlaf erzählen. Die Anzeige habe ich in Händen, dazu die Keckheit der Angeklagten, das Murren des Volks, die Bestürzung der Geschwornen, ich werde einen Bericht machen.“

Barrere: “ Ja, geh Saint-Just und spinne deine Perioden, worin jedes Komma ein Säbelhieb und jeder Punkt ein abgeschlagner Kopf ist.“

                                           Der vollständige Text des Professors aus Berlin ist abgedruckt in der jetzt erschienenen Nummer 31/ Herbst 2011 des politischen Kulturmagazins DIE GAZETTE.  Auch online unter

http://www.gazette.de/Archiv2/Gazette31/Kerber.pdf

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