Verfasst von: nickwimmer | 17. April 2011

Eine der drei von zehn


Theaterproduktionen bei  r a d i k a l   j u n g   2011, die ich gesehen habe, hat mich gepackt: l i f e : r e s e t  – Chronique d’une ville epuisee (Chronik einer erschöpften Stadt) von FABRICE  MURGIA  und dem Künstlerkollektiv  ARTARA , angereist zur Reithalle im Truck des Theatre National Bruxelles. Dauer des Stücks: 60 Minuten, nur. Hochintensives Theater durch Reduktion. Audio- und Videoinstallation (Yannick Franck, Arie Van Egmond), die Bühne (Vincent Lemaire), die Kostüm/Farben (Sabrina Harri) und die Bewegungen der Schauspielerin Olivia Carrere, stumm, saugen den Zuschauer hinein, verstörend beunruhigend entsteht im Kopf eine Geschichte, die gar nicht zu sehen ist. Packendes Theater aus Belgien. ( Mehr zu dieser Truppe bei http://www.artara.be  – wer des Französischen mächtig ist, bitte, eine gute Übersetzung anbieten anstelle der wortfürworthoppelei bei google!) Noch ein Wort zu  F a b r i c e   M u r g i a, dem 27jährigen Regisseur und ausgebildeten Schauspieler, geboren in Verviers, Belgien, die Mutter Spanierin, der Vater Italiener. Im persönlichen Gespräch ein menschenzugewandter, neugierig staunender Theatererkunder mit einem starken Team.

Zu den beiden anderen Produktionen, die ich gesehen habe, in angemessenem Abstand, mehr nach der Vorstellung heute nachmittag in der Allianz-Arena.

Die zweite Produktion, die ich sah, v a t e r m o r d  , Regie: Robert Borgmann, vom Centraltheater Leipzig, war merkwürdig kaltes Theater, das mich kalt ließ. Alles, aber auch alles scheint vom Regisseur an-ge-ordnet zu sein, jede Bewegung, jede Geste, jeder Ton und die Schauspieler befolgen die Anordnungen, sie schreien, wenn sie schreien sollen, ziehen sich nackt aus, wenn sie sich nackt ausziehen sollen, gießen sich Bier über den Kopf, wenn sie sich Bier über den Kopf gießen sollen und sprechen Sätze („Ich hasse meine Eltern nicht.Ich hasse das in mir was ich aus ihnen geworden bin.“) , wenn sie Sätze aus Einar Schleefs Tagebücher sprechen sollen. Deutsches Regietheater kalt bis ans Herz.

Die dritte Produktion, v e r r ü c k t e s   B l u t, von Nurkan Erpulat und Jens Hillje, Ballhaus Naunynstraße Berlin, eingeladen zum Theatertreffen Berlin 2011, „das Stück der Stunde“(FAZ) wurde im Volkstheater bejubelt, aber ich zögere immer noch, meine Irritation zu formulieren. Wenn ich demnächst in Berlin bin, will ich unbedingt weitere Stücke im Ballhaus sehen, weitere Regiearbeiten von Nurkan Erpulat, ich will unbedingt die Schauspielerin Sesede Terziyan in anderen Ballhaus-Produktionen sehen. Die letzten paar Minuten in  v e r r ü c k t e s   B l u t , als sie den Revolver aus der Hand legt und die Prol-Truppe entwaffnet mit diesem ganz anderen Ton, dieser ganz anderen Körpersprache, da beginnt ein Stück, das ich sehen möchte, und wenn ich kein Wort Türkisch verstünde. Der Konzertflügel, der in der gezeigten Produktion über der Spielfläche hängt, könnte hängen bleiben im neuen Stück, das nicht mehr in einer Schauspielschule spielt.

Den Publikumspreis des Festivals gewann gestern abend eine andere Produktion aus Berlin,  a r a b q u e e n, nach einem Roman von Güner Balci, in der Regie von Nicole Ober vom Theater Heimathafen Neukölln. Habe ich nicht gesehen, schade.

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