Verfasst von: Robert Müller | 4. März 2010

Gastspiel der Gauthier Dance Company, Klappe die 2. – „M.M. & MORE“


Mal wieder gastierte die Gauthier Dance Company vom Theaterhaus Stuttgart an der Schauburg. Im Dezember waren sie schon einmal zu Besuch gewesen und da ich von dem damaligen Abend nicht so ganz begeistert war (hier mein Artikel dazu) und ich ohnehin so meine Schwierigkeiten mit Tanz habe (ich bin nun mal ein alter Sprechtheater-Fan), war ich schwer am Überlegen, ob ich mich ein zweites Mal zu einem „Tanzabend“ mühen soll. Doch meine Bedenken, meine Zweifel und mein Misstrauen wurden an dem mit „M.M. & More“ betitulierten Abend ganz schnell und ohne Weiteres über den Haufen geworfen. Ich war ehrlich begeistert.

Wieder war der Abend in einzelene Sequenzen oder Szenen gegliedert. Doch diesmal störte mich diese Aufteilung nicht. Die Teile standen zwar wieder für sich, doch waren es diesmal wohl die jeweiligen Themen und deren Präsentation und Umsetzung, die mir persönlich mehr zusagten. Der gesamte Abend kam ohne Sprache aus, allein der Tanz, die Bewegung der Körper, die Gestik und Mimik der hervorragenden Tänzer genügten um eine Geschichte zu erzählen, um Gefühle hervorzurufen. Sprache war unnötig geworden. Auch erschienen mir die Pausen, die wegen dem Umbau und dem Umziehen der Künstler nötig waren, diesmal wesentlich kürzer.

Den ersten Teil des Abends bildete eine großartige Hommage an Marcel Marceau, den großen Pantomimen des 20. Jahrhunderts. Verkörpert wurde er von Egon Madsen, einer Korephäe des Balletts und des Tanzes. Zusammen mit Madsen durchschritt man in M.M. die wesentlichen Stationen von Marceaus Leben – sehr schön veranschaulicht durch das Bühnenbild von Gudrun Schretzmeier – welches in Form von überdimensionalen Buchseiten durchblättert wurde. Neben den Kostümen, die an Marceaus angelehnt waren, war es vor allem die Detailtreue in den Bewegungen, die mich hier begeisterte. Marceaus Gestik und Mimik wurde teilweise 1 zu 1 von Madsen kopiert. Das „Lesen“ in Marceaus Leben bestach aber auch in der gelungenen Kombination von witzigen, heiteren und sehr ergreifenden und berührenden Momenten – ein durchweg gelungener Blick auf das bewegte Leben eines der wohl bedeutendsten und einflussreichsten Künstler des vergangenen Jahrhunderts.

Der zweite Teil des Abends war wieder wesentlich kleinteiliger: Insgesamt vier kurze Szenen wurden gezeigt. Wieder einmal begegneten uns Fische im Meer (scheinbar eines der Lieblingsthemen der Gauthier Dance Company), diesmal war diese Szene aber weniger auf Lacher angelegt. In Weird Fishes lag der Fokus auf der Ausdrucksstärke und Bildgewalt der Tänzerkörper und ihrer Bewegungen im Raum. Wirklich beeindruckend! Mit Quilt folgte eine Versinnbildlichung des Lebens während des Krieges: Ein Liebespaar gibt unter den Eindrücken des Krieges ihre Lebensfreude nicht auf, findet scheinbar zu einander, muss sich schlussendlich aber doch verlieren. In einem Moment fröhlich-beschwingt, dann wieder tragisch und tiefbewegend. Anschließend wurde von Eric Gauthier selbst mit Les Bourgois eine kurze Hommage an die Zeit des leidenschaftlichen und dennoch gesellschaftskritischen Chansons im Frankreich der 50er und 60er Jahre vorgeführt, bevor das große Finale des Abends von Statten ging. Das humorvolle, irgendwie groteske Orchestra of Wolves lieferte den gebührenden Abschluss für einen so grandiosen „Tanzabend“. Sehr schön!

So begeistert ich dieses Mal auch vom Gastspiel der Gauthier Dance Company bin, so schade finde ich es auch, dass ich dennoch einen kleinen Haken an dem ganzen Abend finde. Das Publikum bestand zum einen Teil aus etwas älteren, wirklich am Tanz interessierten Gästen. Zum anderen waren aber auch viele Schulklassen und hier v.a. jüngere Ausgaben (ich würde mal schätzen, die meisten Schüler waren nicht älter als 13 Jahre) da. Ein beständiges Gekicher, Geplapper und Getuschel war um mich herum und im ganzen Raum zu vernehmen. Vielleicht ist es in diesem Alter doch noch ein bisschen schwierig sich auf die leichtbekleideten Tänzer und ihre „komischen Verrenkungen“ einzulassen. Denn ansonsten hätten sie sicherlich auch so begeistert sein können wie ich, der ich ja eigentlich ein alter Tanzmuffel bin.

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