Verfasst von: annahartung | 3. März 2010

Maynard macht Urlaub


Knallige Sonne, blauer Himmel und leichte Meerbrise, ein Gefühl von  Ferien macht sich breit, wenn man den Schauspielern beim Tanzen zusieht. Auf dem Programm steht zwar die Ballade von Theodor Sturm als Tanzperformance inszeniert, aber die Last des Inhaltes fühlt man als Zuschauer kaum. Vielmehr fasziniert die Bewegung zu der von Hand gemachten Musik. Die Musiker, insgesamt zwei, sitzen unter der Bühne.  Yogo Pausch und Toni Matheis präsentieren sich dort als Maschinisten, werkeln an einigen Kästen herum und betätigen Instrumente. Dazu wird Schallplattenmusik eingespielt, das ziemlich geschmackvoll, wobei Edith Piaf als Beispiel genannt werden darf.

Die fünf Schauspieler verbleiben eher stumm, bis auf ein paar Wortfetzen aus der Ballade und den gekonnten Gesangsstücken der  Damen Marie Ruback und Marion Niederländer. Die Männer sammeln dafür in choreografierten Trios Punkte. Doch nach einer Handlung lässt sich ohne Erfolg suchen. Spielsituationen entstehen zwar durch Annährungen mancher Schauspieler, man versucht Motivationen, Haltungen, Konstellationen zu entdecken, aber durch permanenten Wechsel des Bewegungsmaterial und der Geräuschkulisse verlaufen alle Vermutungen im Sand. Das Paar, was gerade noch eine Art Streittanz absolvierte, existiert im nächsten Moment nicht mehr, weil sich neue Konfigurationen gebildet haben.

Eindeutig ist dafür das Bühnenbild, welches das Schiffsdeck ziemlich naturalistisch widerspiegelt. Bullaugen, Drehtüren, eine Reling und Liegestühle sprechen dafür. Einzig an die drohende Katastrophe erinnernd, strömt stetig Rauch aus dem Musiker- Maschinenraum durch die zur Deckoberfläche verbindende Falltür. Sonst ist alles ausgelassen, die Performance scheint frei von linearen Gesetzen und Verpflichtungen, eben wie im Urlaub. Stimmungswechsel erfolgt durch Licht und aggressiveres Tanzverhalten, langsam wird die Tragödie jedem bewusst. Rettend wird das große Bullauge und eine Leiter als Schiffsausgang benutzt und zitiert zum letzen Mal John Maynard.

Hoch anspruchsvoll ist diese Umsetzung alle Mal. Ich habe sie sehr genossen, aber ich beschäftige mich auch Studienbedingt mit allen Arten von Theater, was man von dem Rest des Publikums nicht behaupten kann. Die pubertierenden Teenies, ab 13 Jahren, saßen oftmals ratlos im Zuschauerraum, was man durch ihr Getuschel vernehmen konnte: Hä, was soll das jetzt????? Dann wurde Gelacht und sich über den schlechten Stil der Kleidung unterhalten. Aus Schulklassen bestand der größte Teil, was darauf schließen lässt, dass es für viele kein freiwilliger Besuch war. Auch ein 13 Jähriger kann sich an der Inszenierung ergötzen, wenn er sich auf den Tanz und die Musik einlässt und nicht nur darauf wartet, dass das Schiff endlich sinkt!

Dann nämlich erlebt man einen Abend, der ein ganzes Ferienwochenende ersetzt.

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