Verfasst von: annahartung | 4. Februar 2010

Wozu die Regentrude?


Diese Frage stellte ich mir am Mittwoch Morgen, als ich mich auf den Weg zur Schauburg machte, um mir die Vormittagsvorstellung der Regentrude anzusehen. Ein grau bedeckter Himmel über mir und Nieselregen begleiteteten mich. Warum dann eine Geschichte ansehen, in der sich alle Figuren Regen wünschen? Zu meiner guten Laune nicht behilflich, war die vollgestopfte U-Bahn bis zur Giselastraße  mit genervten Menschen, die alle zur Arbeit pilgerten. Endlich im Foyer der Schauburg angekommen, musste mein eigentlich Kinderliebendes Herz feststellen, dass mehrere Schulklassen auf einmal ziemlich laut sein können. Alle waren aufgeregt und gespannt auf die Märchenaufführung der Regentrude.

In dem Kunstmärchen von Theodor Sturm dreht sich alles um eine Art Wasserfee, die für das Regenmachen verantwortlich ist. Sie lebt unter einer alten Weide in einem großen, wunderschönen Garten und ist vor lauter Langeweile eingeschlafen. So fällt Wochenlang kein Tropfen mehr vom Himmel und der böse Feuermann Eckeneckepenn wüted unaufhaltsam über das Land. Endlich beschließt das junge Paar Maren, die Tochter vom reichen Wiesenbauern, und Andrees nach der Trude zu suchen und sie aufzuwecken.

Ich kannte das Märchen durch einen DDR-Film von 1976, wusste daher was auf mich zukam. Diese Erinnerung an meine Kindheit, ja ich wurde mit Märchen aufgezogen, erheiterte dann doch mein Gemüt.

Kurz vor halb elf wurden wir in den Bühnensaal gelassen. Bevor das Licht ausging, konnte jeder einen Blick auf die vier Musiker werfen, die in einer Art Orchesterkasten mitten in der Vorderbühne saßen. Hinter ihnen diente als Kulissenverstazstück eine grüne Gartentür, die mit Blumen geschmückt war. Ansonsten war der gesamten Bühnenraum leer, abgesehen von ein paar Holzfäßern. Ich fand es ziemlich originell, denn neben der Konzentration auf die Schauspieler stand  auch die eigene Fantasie der Zuschauer im Kreiieren von Bühnensituationen im Vordergrund. Und wir wissen ja, das Kinder sowieso darin viel besser sind als so manche Erwachsene. Leider war auch meine Vorstellungskraft begrenzt und ich konnte den Schauspieler manchmal nicht folgen, die um den Orchestergraben herum mit Wortkulisse ihre Umgebung erschafften. Aber das lag dann doch an meinem Alter und tat der Aufführung nicht weh.

Diese glänzte durch Handlungunterbrechende Gesangsstücke, immer untermalt durch das kleine Orchester und filigrane Tanzdarbietungen einiger Figuren. So konnten alle Mimen neben ihrem Schauspielgeschick ihre Musikalität und auch Gesangstalent beweisen. Weiterhin dienten einzelne Instrumente zur Stimungsunterstreichung, was durch Lichteffekte noch verstärkt wurde. Langeweile kam hier auf keinen Fall auf, so war die schreiende Meute vom Foyer gebannt an ihre Sitze gefesselt und ruhig. Verbale Laute waren nur an spannenden Stellen zu vernehmen, wenn Feuer aus dem Boden loderte, Wassertropfen vom Bühnenhimmel fielen,  Rauch die Schauspieler umhüllte oder einfach Requsiten wie von Geisterhand  zum Bühnenrand bewegt wurden. An Specialeffects wurde nicht gesparrt und so gestaltete sich die einstündige Aufführung als buntes, abenteuerliches Spiel.

Ja es war ein leichtes Spiel, was das Herz erfreute und die Kinder oft zum Lachen brachte. Und ein bisschen Romantik war dank der Hochzeit des Paares Maren und Andrees auch dabei. Als die erweckte Regentrude Maren das Grimm Märchen von der Trude erzählte, die ein unartiges Kind in Holzscheide verwandelt und dann ins Feuer schmiss, war mir doch sehr schaurig zu Mute. Neben dem hocherhobenen moralischen Zeigefinger musste ich mir auch die Brutalität einiger Märchen eingestehen.

Trotzdem vergass man in dieser Zeit  das trübe, kalte, nasse Wetter und schwitzte mit den Figuren in der imaginären Dürre mit. Da hatte ich also meine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Vorstellungsbesuches der Regentrude. So konnte mir der Regen auf dem Heimweg nichts mehr anhaben.

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