Verfasst von: Robert Müller | 4. Februar 2010

Große Augen bei den Kleinen – „DIE REGENTRUDE“


Theodor Storm ist mir noch aus Schulzeiten ein Begriff. Damals haben wir „Der Schimmelreiter“ gelesen. Ein bisschen düster, ein bisschen geheimnisvoll und ja, ein bisschen zäh. Nun steht also „Die Regentrude“ nach eben jenem Herrn Storm auf dem Spielplan. Musiktheater von Peer Boysen und Toni Matheis. Und das Ganze auch noch für Kinder ab 8 Jahren. In Erinnerung an meine Schullektüre ging ich also mit etwas gemischten Gefühlen in die Vorstellung. Ist Storm wirklich das Richtige für Kinder?

Scheinbar Storm-typisch ist die Handlung der „Regentrude“ wieder im hohen Norden der deutschen Wattmeere angesiedelt, die vereinzelten Mundarteinfälle („mein Vadder“), die irgendwie sehr sympathisch sind, sind nur ein Indiz dafür. Auch wenn wir uns im deutschen Norden befinden, herrscht schon seit Jahren Dürre. Ernteausfälle, verendende Tiere, drückende Hitze. Einzig dem Wiesenbauern scheint es beschieden zu sein, von dem ganzen Elend verschont zu werden. Maren (Marie Ruback), seine Tochter, will sich mit Andrees (Markus Campana) vermählen. Der Wiesenbauer will dieser Verbindung aber nur seinen Segen geben, falls innerhalb von 24 Stunden wieder Regen fällt. Eine scheinbar aussichtslose Situation. Da erinnert sich Andrees Mutter an eine Urahnin, die einst vor vielen Jahren die im Erdinnern schlummernde Regentrude aufgeweckt hat und so wieder Regen über dem Land fiel. Doch wie soll man zu der guten alten Trude kommen? Und wenn man dann bei ihr ist, wie soll man sie aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken? Zufällig belauscht Andrees den Feuermann (Johannes Klama als genauso garstiger wie auch witziger Rumpelstielzchen-Verschnitt), der die Dürreperiode heraufbeschworen hat. Er übertölpelt ihn und kann in Erfahrung bringen, wie man zur Regentrude kommt und wie man sie aus ihrem Schlaf wecken kann. Eine abenteuerliche Reise in die Unterwelt bricht an. Unheimliche Kobolde und nicht nur eine gefährliche Prüfung liegen vor Maren und Andrees.

So viel zur Handlung.

Meine anfänglichen Bedenken wurden sehr schnell über den Haufen geworfen. Mit Gesang, Spiel, kleinen Tanzeinlagen, vielen weiteren witzigen Einfällen, regelrechten „Knall“-Effekten und stimmungsvoller Musik (von der mitten im Bühnenraum im Orcherstergraben platzierten Band – eine sehr schöne Idee übrigens, die Musik nicht an den Rand, sondern ins Zentrum des Geschehens zu setzen) wird hier ein wunderbares Märchen gerade für die kleinen Besucher der Schauburg aufgezogen. Mit großen Augen und vor Staunen offen stehenden Mündern folgten die Kleinen aufmerksam und immer wachsam dem Handlungsfortgang. Selbst bei sehr textlastigen, etwas zähen Szenen (hier war er wieder, der Storm aus meiner Schulzeit! 😉 ) hörten sie gespannt zu. Das sofort einsetzende, aufgeregte Getuschel nach dem Applaus und die strahlenden Gesichter haben mich ehrlich gefreut. Das war tatsächlich der für mich schönste Part dieses Theaterabends: Die Bestätigung, dass sich Kinder in einer Welt voller Spielkonsolen und 24-Stunden-Gaga-TV doch noch vom Zauber des Theaters ergreifen lassen.

Auf dem Heimweg kam mir noch in den Sinn, wie schön es doch wäre, wenn wir unsern Klimawandel nur auch so einfach in die Hand nehmen könnten wie Maren und Andrees.

Naja, vielleicht könnten wir das auch?

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