Verfasst von: davidsteinitz | 22. November 2009

Schauburg-Erinnerungen, Teil I: Kontaktlinsen, Schlägereien & Herr Sommer


Als ehemaliger Giselaner waren regelmäßige Schauburgbesuche für mich  Teil des Unterrichtsplans. Allerdings sind es nicht immer die Aufführungen, die in Erinnerung bleiben. Vor vielen Jahren saß ich in einer Adaption von Kafkas „Verwandlung“ und ich erinnere mich auch noch an ein großes Seilnetz, in dem die Schauspieler herumkrochen und Gregor Samsa plus Familie mimten. Dann aber fiel mir eine Kontaktlinse aus dem Auge, die in den Untiefen der Stuhlreihen verschwand. Während Gregor Samsa sich einfach nicht an sein neues Käfer-Dasein gewöhnen wollte, wollte ich mich nicht mit nur einer Kontaktlinse zufrieden geben und beschäftigte auch noch ein paar Sitznachbarn mit der Suche. Hat aber alles nichts gebracht, den Rest der der Aufführung habe ich mit Blinzeln verbracht.

Explosive Fünftklässler

Noch weiter zurück liegt die Erinnerung an eine Schlägerei vor der Garderobe im Foyer, es muss so in der fünften oder sechsten Klasse gewesen sein. Fiel mir letzten Freitag ein, da lehnte ich beim GmElch-Test an der Garderobe. Ich erinnere mich weder an den Grund der Schlägerei, noch wer genau beteiligt war (zumindest nicht ich – zu schmächtig, zu feige) und wie sie beendet wurde. Nur hat anschließend auch niemand mehr auf die Aufführung (was auch immer es war) geachtet, weil alle noch über die Schlägerei tuscheln mussten. Ist mir im Nationaltheater noch nie passiert. Aber schubsende Fünftklässler, die sich in ihren Winterjacken vor der Garderobe drängeln sind natürlich explosives Material.

Dass man sich manchmal auch auf ein Stück konzentrieren kann, dafür ist „Die Geschichte von Herrn Sommer“ ein Beweis. Die Inszenierung hatte mir so gut gefallen, dass ich mir anschließend die Vorlage von Patrick Süskind gekauft habe, und „Das Parfüm“ gleich dazu.

Mal schauen, was noch an Erinnerungen nachkommt!

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Responses

  1. Tja David,
    da sprichst du ein heißes Thema an, worüber sich all die Jahre noch keine Besserung ergeben hat: die Garderobe! Obwohl die Gardrobiere eine echte Perle ist und noch x in der Manteltasche vergessene Eintrittskarten herausgibt, das Schlussgerangel am Ende der Vorstellung ist weder durch rasante Herausgabe aller Habseligkeiten, vorhergehende Ermahnungen, noch durch zeitgleiche Drohungen und ausgefeilteste Abholtechniken zu umgehen. Schließfächer, Schulkombüsen, welcher talentierte Jungarchitekt nimmt sich dieses Problems einmal an? Funktionalität am Bau statt Dekonstruktivismus und schönem Schein. Damit wird man vielleicht nicht berühmt, aber diverse Schülergenerationen und Lehrer danken es einem.
    Gruß Nina


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